Vortex

Jordan Belson (Entwickler)
Henry Jacobs (Entwickler)
Morrison Planetarium (Aufführungsort)

Werkdetails


Werkbeschreibung von Marc Glöde

Zwischen 1957 und 1959 organisierten der Filmemacher Jordan Belson und der Musiker Henry Jacobs eine Reihe von audiovisuellen Konzerten, die unter dem Namen Vortex Concerts bekannt wurden. Jacobs präsentierte internationale zeitgenössische elektronische Musik und Belson begleitete diese mit abstrakten Projektionen. Als Veranstaltungsort wählten sie das Morrison Planetarium in San Francisco, da dieses mit außergewöhnlich progressiver Sound- und Projektionstechnik ausgestattet war. Es verfügte über ein multidirektionales Soundsystem mit circa 40 Lautsprechern, das es ermöglichte, selbst die leisesten Klänge überall im Saal hörbar zu machen und über ein Kontrollpult die Lautsprecher separat anzusteuern. So konnte beispielsweise der Eindruck erzeugt werden, dass sich ein Geräusch von vorn nach hinten oder in kreiselnder Bewegung durch den Raum bewegt (hierher rührt im Übrigen auch der Name Vortex = Wirbel/Kreisel).

Jordan Belson versuchte diese akustischen Raumerlebnisse ins Visuelle zu übertragen, indem er etwa 30 verschiedenartige Projektoren, darunter den Sternenprojektor und den rotierenden Himmelsprojektor des Planetariums sowie eigens installierte Interferenzmuster-Projektoren einsetzte, um Formen und Farben in die Kuppel des Planetariums mit ihren 20 Metern Durchmesser zu projizieren. Für Filmprojektionen verwendete er kurze Sequenzen abstrakten Bildmaterials von James Whitney, Hy Hirsh sowie von ihm selbst.[1]

Dabei ging es Belson nicht mehr um eine einfache Reihung verschiedener Projektionen, sondern vielmehr um ein kreatives, künstlerisches Ineinanderblenden verschiedener Projektionen. Dadurch entstand ein visuelles Erlebnis, das man als eine Art abstrakte Malerei mit bewegten und unbewegten Lichtbildprojektionen bezeichnen kann.

Diese Form war aber keineswegs ein einziger Motion-Ride, in dem die Zuschauer an die Grenze ihrer Wahrnehmungskapazitäten geführt werden sollten, sondern vielmehr ein sehr subtil durchkomponierter audiovisueller Erfahrungsraum. Darüber hinaus ergab sich mit den Vortex Concerts ein neuer Blick auf die Frage des Bildes und des Projektionsraums. Belson selbst äußerte dazu:

We could tint the space any color we wanted to. Just being able to control the darkness was very important. We could get it down to jet black, and then take it down another twenty-five degrees lower than that, so you really got that sinking-in feeling. Also we experimented with projecting images that had no motion-picture frame lines; we masked and filtered the light, and used images that didn't touch the frame lines. It had an uncanny effect: not only was the image free of the frame, but free of space somehow. It just hung there threedimensionally because there was no frame of reference. [2]

Nicht zuletzt wegen dieser Konzertreihe sollte Belson später für Gene Youngblood zu einem jener Künstler werden, die exemplarisch einstanden für das, was Youngblood unter dem Titel Expanded Cinema zu erfassen suchte.

Alle Fußnoten

[1] Vgl. Cindy Keefer, »Space Light Art: Early Abstract Cinema and Multimedia, 1900–1959«, in: White Noise, Ernest Edmonds, Mike Stubbs (Hg.). Australian Centre for the Moving Image, Melbourne 2005. Überarbeitete Fassung von 2008 online unter Center for Visual Music http://www.centerforvisualmusic.org/CKSLAexc.htm.

[2] Jordan Belson, zit. nach Gene Youngblood, Expanded Cinema, New York 1970, S. 389.

siehe auch


Dieses Werk ist Thema in folgenden Texten

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Filmstill aus Allures (1961) von Jordan Belson, das einen Interferenzmuster-Effekt zeigt, der bei Vortex verwendet wurde
© Jordan Belson, courtesy Center for Visual Music