Prometheus. Dichtung vom Feuer

Aleksandr N. Skrjabin (Komponist)
Preston S. Millar (Licht)
Prometheus (Figur)
Carnegie Hall (Aufführungsort)

Werkdetails


Werkbeschreibung von Barbara Kienscherf

Inspiriert von der Idee der Synthese sämtlicher Künste und Sinneseindrücke, unternahm Alexander Skrjabin erstmals in der Musikgeschichte den Versuch, farbiges Licht in eine sinfonische Komposition zu integrieren. Er war davon überzeugt, dass die Wirkung von Musik durch gleichzeitige Farbpräsentationen gesteigert werde und schuf, beeinflusst auch von seiner philosophisch-theosophischen und vom russischen Symbolismus geprägten Weltanschauung[1], in den Jahren 1908 bis 1910 sein op. 60, Prométhée – Le Poème du feu.

Skrjabin benannte sein Werk nach dem Boten des Lichts, Prometheus, der als mythischer Rebell den Menschen das Feuer vom Himmel stahl. Fasziniert von dieser Gestalt und allem, was mit Feuer assoziiert wird, experimentierte er in seinem Feuerpoem mit dem Einsatz von Lichteffekten, indem er an oberster Stelle der Partitur eine Luce-, eine Licht-Stimme notierte, die in Übereinstimmung mit der Musik auf einem Farbenklavier (Tastiera per luce) gespielt werden sollte. Dafür entwickelte er nach mystischen Vorstellungen ein System korrespondierender Farben und Klänge, das an Quintenzirkel und Lichtspektrum ausgerichtet ist. Der Luce-Part besteht aus zwei Stimmen, von denen die obere den musikalisch-harmonischen Ablauf des Werks verdeutlicht, während die untere Trägerin der von Skrjabin den Farben zugeschriebenen mystischen bzw. esoterischen Bedeutung ist.[2]

Als diffizil und technisch problematisch erwies sich allerdings die Umsetzung der Luce-Stimme. So fand zu Skrjabins Lebzeiten nur eine Aufführung des Prométhée mit farbigem Licht statt: am 20. März 1915 in New York mit einer Lichtapparatur von Preston S. Millar, welche aber nicht überzeugen konnte. Seitdem hat es diverse, den lichttechnischen Möglichkeiten der jeweiligen Zeit entsprechende Realisationsversuche gegeben. Doch, ob mit Scheinwerfern und Farbfiltern, Neonröhren oder jüngst mit ausgefeilter LED-Technik[3], eine optimale Umsetzung der Skrjabinschen Visionen scheint nur schwer zu verwirklichen zu sein. Oft ist eine partiturgetreue Umsetzung technisch nicht realisierbar. Zudem stellt sich grundsätzlich die Frage nach der Nachvollziehbarkeit der Skrjabinschen Vorstellungen, die eigentlich eine Kenntnis seines Analogiesystems und dessen programmatischen Gehalts voraussetzt. Freiere künstlerische Ansätze bewirken wohl eine Intensivierung des Kunsterlebnisses, transportieren aber nicht wirklich Skrjabins konkrete Visionen.

Alle Fußnoten

[1] Ausführlich in: Sigfried Schibli, Alexander Skrjabin und seine Musik. Grenzüberschreitungen eines prometheischen Geistes, München 1983.

[2] Vgl. Josef-Horst Lederer, »Die Funktion der Luce-Stimme in Skrjabins op. 60«, in: Otto Kolleritsch (Hg.), Alexander Skrjabin (Studien zur Wertungsforschung, Bd. 13), Graz 1980, S. 133.

[3] Aufführungen bis 1994 finden sich dokumentiert in: Barbara Kienscherf, Das Auge hört mit. Die Idee der Farblichtmusik und ihre Problematik – beispielhaft dargestellt an Werken von Alexander Skrjabin und Arnold Schönberg, Diss. Münster (Westfalen) 1995; Frankfurt/Main u. a. 1996, weitere in Online-Publikation http://prometheus.kai.ru/perform_e.htm. LED-Module mit neuartiger Sensortechnik wurden eingesetzt bei der wohl letzten spektakulären Aufführung der Farblichtsinfonie in Jena im Dezember 2008.

siehe auch


Spezifikation
Op. 60

Werkbiografie
Prométhée wurde am 15. März 1911 unter der Leitung von Sergei Kussewizki ohne Lichtstimme in Moskau uraufgeführt. Mit der Lichtstimme wurde es 1915 unter der Leitung von Modest Altschuler in der New Yorker Carnegie Hall zum ersten Mal mit Hilfe der »Chromola« von Preston S. Millar aufgeführt.

Dieses Werk ist Thema in folgenden Texten

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Partiturausschnitt aus Prométhée - Le Poème du feu, opus 60 (1908-1910/1911) von Alexander Skrjabin, Edition Eulenburg EE 6705
© Ernst Eulenburg Ltd., London
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Skrjabins Schema der Zuordnung von Farben und Tonarten aus der Partitur Prométhée - Le Poème du feu, opus 60 (1908-1910/1911) von Alexander Skrjabin, Edition Eulenburg EE 6705
© Ernst Eulenburg Ltd., Eulenburg
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Prométhée - Le Poème du feu (1910) von Alexander Skrjabin
Aufführung im Rahmen von: Jena. Stadt der Wissenschaft 2008 unter dem Titel Luce. Der Ton der Farben. Licht-Kunst Konzert
Lichtkunst: rosalie, Lichttechnik: MAZeT GmbH (JENCOLOR®)
© Wolf-Dieter Gericke 2008; courtesy »Jena - Lichtstadt«
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Prométhée - Le Poème du feu (1910) von Alexander Skrjabin
Aufführung im Rahmen von: Jena. Stadt der Wissenschaft 2008 unter dem Titel Luce. Der Ton der Farben. Licht-Kunst Konzert
Lichtkunst: rosalie, Lichttechnik: MAZeT GmbH (JENCOLOR®)
© Wolf-Dieter Gericke 2008; courtesy »Jena - Lichtstadt«
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Prométhée - Le Poème du feu (1910) von Alexander Skrjabin
Aufführung im Rahmen von: Jena. Stadt der Wissenschaft 2008 unter dem Titel Luce. Der Ton der Farben. Licht-Kunst Konzert
Lichtkunst: rosalie, Lichttechnik: MAZeT GmbH (JENCOLOR®)
© Wolf-Dieter Gericke 2008; courtesy »Jena - Lichtstadt«
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Prométhée - Le Poème du feu (1910) von Alexander Skrjabin
Aufführung im Rahmen von: Jena. Stadt der Wissenschaft 2008 unter dem Titel Luce. Der Ton der Farben. Licht-Kunst Konzert
Lichtkunst: rosalie, Lichttechnik: MAZeT GmbH (JENCOLOR®)
© Wolf-Dieter Gericke 2008; courtesy »Jena - Lichtstadt«
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Prométhée - Le Poème du feu (1910) von Alexander Skrjabin
Aufführung im Rahmen von: Jena. Stadt der Wissenschaft 2008 unter dem Titel Luce. Der Ton der Farben. Licht-Kunst Konzert
Lichtkunst: rosalie, Lichttechnik: MAZeT GmbH (JENCOLOR®)
© Wolf-Dieter Gericke 2008; courtesy »Jena - Lichtstadt«