Incomplete Open Cubes

Sol LeWitt (Bildhauer)

Werkdetails


Werkbeschreibung von Sabeth Buchmann, Rainer Bellenbaum

Das von Sol LeWitts Ende der 1960er Jahre formulierte Credo Die Idee wird zur Maschine, die die Kunst macht, sollte – weitergehender als seine minimalistischen Arbeiten der 1960er Jahre – den Vorrang der begrifflichen Dimension eines Kunstwerks vor seinen material- und mediumspezifischen Eigenschaften behaupten. Die in seinen Paragraphs on Conceptual Art und Sentences on Conceptual Art (1967/1969) dargelegten Prinzipien haben die Programmatik der US-amerikanischen Konzeptkunst entscheidend geprägt. Der von LeWitt vollzogene Übergang von der Minimal zur Conceptual Art tritt sowohl in seinen ab 1968 entworfenen Wall Drawings als auch in seinen skulpturalen Arbeiten, so in seinen Incomplete Open Cubes, zu Tage. Die ihnen zugrunde liegenden Zeichnungen, sogenannte Working Drawings, dienen dabei einerseits der Ermittlung von Regeln, nach denen die Incomplete Open Cubes kombiniert werden, als auch als Instruktion. In der Sequenzierung der in systemischen Abfolgen angeordneten Einzelformen erkennt Pamela M. Lee das der Minimal Music angelehnte Verfahren des Phase Shiftings – eine Methode, deren Aufgriff die Kunsthistorikerin aus LeWitts Beschäftigung mit den Kompositionen Steve Reichs ableitet: Hierbei handelt es sich um ein Auseinanderdriften simultan ablaufender Audioloops, das LeWitt in eine kontingente Aggregation visueller Fragmente übersetzen sollte. Wie Lee schreibt, ging es LeWitt darum, ästhetische Wahrnehmung als einen aus intuitiv verketteten sensuellen Empfindungen gebildeten unvollständigen Prozess ansichtig werden zu lassen.[1] Um die drei zentralen Werkparameter Cube, Seriality und Incompleteness in allen Varianten durchspielen zu können, verwendete LeWitt in seinen Working Drawings Buchstaben und Nummern. Sie dienten der logischen Systematisierung, d. h. der Berücksichtigung aller möglichen Variationen ebenso wie der Vermeidung identischer Wiederholungen. Mit anderen Worten appropriierte LeWitt die Methode der Phase Shifting im Sinne einer (Selbst-)Differenz der Form, hier des unvollständigen offenen Kubus.

Alle Fußnoten

[1] Pamela M. Lee, »Phase Piece«, in: Nicholas Baume (Hg.), Sol LeWitt: Incomplete Open Cubes, The Wadsworth Atheneum, Museum of Art, Hartford (Connecticut), Cambridge, Mass. u. London, Engl., S. 49–58.

siehe auch


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Sol LeWitt, Incomplete Open Cubes (1974)
© VBK, Wien, 2010